Die „Mengenlehre“ im Anfangsunterricht – historische Darstellung einer gescheiterten Unterrichtsreform in der Bundesrepublik Deutschland: Unterschied zwischen den Versionen

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Der KMK-Beschluss von 03.10.1968 ''Empfehlungen und Richtlinien zur Modernisierung des Mathematikunterrichts an den allgemeinbildenden Schulen'' schrieb die Einführung der sogenannten Neuen Mathematik (New Math) an allen allgemeinbildenden Schulen vor. Hamann verfolgt in ihrer Arbeit eine doppelte Zielsetzung: vorrangig möchte sie eine konkrete Beschreibung dieser speziellen Reform liefern, zugleich aber auch Aspekte herausarbeiten, die sich prototypisch auf andere Reformen des Mathematikunterrichts verallgemeinern lassen. Dazu wandelt Hamann das bildungssoziologische Modell der Rekontextualisierung von Fend (2008) etwas ab. Den vier Ebenen seines fächerübergreifenden Modells – der kulturellen, der curricularen, der schulpraktischen und der rezeptiven Ebene – stellt sie die wissenschaftlich-theoretische Ebene, die curriculare Ebene, die unterrichtskonzeptionelle Ebene und die schulpraktische Ebene gegenüber. Auf jeder dieser Ebenen, die vertikal angeordnet sind, kommt nun an verschiedenen Stellen noch der zeitliche Verlauf als weitere Prozessdimension zum Tragen, so dass sich ein mehrdimensionales deskriptives Modell ergibt. Den Schwerpunkt ihrer Untersuchung legt Hamann auf die wissenschaftlich-theoretische und die unterrichtskonzeptionelle Ebene.
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Als zentrale Leitfrage formuliert Hamann: „Welches waren die der ''Mengenlehre'' zugrunde
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liegenden theoretischen Reformideen und wie wurden die Konzepte auf der unterrichtskonzeptionellen Ebene rekontextualisiert?“ Zur ihrer Beantwortung wählt sie durchgehend die hermeneutische Methode und grenzt ihren Untersuchungsgegenstand exemplarisch auf das Land Niedersachsen und das erste Schuljahr ein. Kern der Arbeit ist dabei eine qualitative Schulbuchanalyse drei ausgewählter Lehrwerke, die deutlich unterschiedliche Konzeptionen aufweisen.
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Hamann kommt zu dem Ergebnis, dass diese Unterrichtsreform offenbar vor allem deshalb scheiterte, weil Mathematik im Wesentlichen lediglich zu pränumerischer Mengenlehre rekontextualisiert wurde und es keine kohärente Gesamtkonzeption für die unterrichtspraktische Ebene gab. Zudem kommt ihr das ausdrückliche Verdienst zu, mit der Anpassung des Konzepts der Rekontextualisierung nach Fend einen tragfähigen theoretischen Ansatz für disziplinhistorische Untersuchungen im Bereich der Fachdidaktik gefunden zu haben.
  
 
== Auszeichnungen ==
 
== Auszeichnungen ==

Aktuelle Version vom 29. Dezember 2018, 17:08 Uhr


Tanja Hamann (2018): Die „Mengenlehre“ im Anfangsunterricht – historische Darstellung einer gescheiterten Unterrichtsreform in der Bundesrepublik Deutschland. Dissertation, Universität Hildesheim.


Erhältlich unter https://dokumentix.ub.uni-siegen.de/opus/volltexte/2018/1387/pdf/SieB_Band9.pdf

Zusammenfassung

Der KMK-Beschluss von 03.10.1968 Empfehlungen und Richtlinien zur Modernisierung des Mathematikunterrichts an den allgemeinbildenden Schulen schrieb die Einführung der sogenannten Neuen Mathematik (New Math) an allen allgemeinbildenden Schulen vor. Hamann verfolgt in ihrer Arbeit eine doppelte Zielsetzung: vorrangig möchte sie eine konkrete Beschreibung dieser speziellen Reform liefern, zugleich aber auch Aspekte herausarbeiten, die sich prototypisch auf andere Reformen des Mathematikunterrichts verallgemeinern lassen. Dazu wandelt Hamann das bildungssoziologische Modell der Rekontextualisierung von Fend (2008) etwas ab. Den vier Ebenen seines fächerübergreifenden Modells – der kulturellen, der curricularen, der schulpraktischen und der rezeptiven Ebene – stellt sie die wissenschaftlich-theoretische Ebene, die curriculare Ebene, die unterrichtskonzeptionelle Ebene und die schulpraktische Ebene gegenüber. Auf jeder dieser Ebenen, die vertikal angeordnet sind, kommt nun an verschiedenen Stellen noch der zeitliche Verlauf als weitere Prozessdimension zum Tragen, so dass sich ein mehrdimensionales deskriptives Modell ergibt. Den Schwerpunkt ihrer Untersuchung legt Hamann auf die wissenschaftlich-theoretische und die unterrichtskonzeptionelle Ebene.

Als zentrale Leitfrage formuliert Hamann: „Welches waren die der Mengenlehre zugrunde liegenden theoretischen Reformideen und wie wurden die Konzepte auf der unterrichtskonzeptionellen Ebene rekontextualisiert?“ Zur ihrer Beantwortung wählt sie durchgehend die hermeneutische Methode und grenzt ihren Untersuchungsgegenstand exemplarisch auf das Land Niedersachsen und das erste Schuljahr ein. Kern der Arbeit ist dabei eine qualitative Schulbuchanalyse drei ausgewählter Lehrwerke, die deutlich unterschiedliche Konzeptionen aufweisen.

Hamann kommt zu dem Ergebnis, dass diese Unterrichtsreform offenbar vor allem deshalb scheiterte, weil Mathematik im Wesentlichen lediglich zu pränumerischer Mengenlehre rekontextualisiert wurde und es keine kohärente Gesamtkonzeption für die unterrichtspraktische Ebene gab. Zudem kommt ihr das ausdrückliche Verdienst zu, mit der Anpassung des Konzepts der Rekontextualisierung nach Fend einen tragfähigen theoretischen Ansatz für disziplinhistorische Untersuchungen im Bereich der Fachdidaktik gefunden zu haben.

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